Was sind psychosomatische Erkrankungen?

Quelle: www.patientenberatung.de

Wenn seelische Belastungen körperliche Beschwerden hervorrufen − zum Beispiel im Rahmen von beruflichen oder privaten Konflikten −, spricht man klassischerweise von psychosomatischen Erkrankungen. Durch den Einfluss der Seele (Psyche) auf den Körper (Soma) kann sich ein Mensch krank fühlen und Beschwerden haben, ohne dass der Arzt oder die Ärztin eine organische Ursache findet.

Heute weiß man, dass im Grunde bei allen Erkrankungen Psyche und Körper zusammenspielen. Die Psyche hat Einfluss auf das Ausbrechen, die Beschwerden und den Verlauf sogenannter organischer Erkrankungen. Umgekehrt wirken sich organische Erkrankungen in unterschiedlichem Ausmaß auf die Psyche aus. Bei vielen primär psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen treten gehäuft unspezifische körperliche Symptome auf. Eine klare Trennung in psychosomatische Erkrankungen und rein psychische oder rein somatische Erkrankungen ist häufig nicht möglich.

Dieser Text bezieht sich allgemein auf Erkrankungen, bei denen Betroffene unter körperlichen Beschwerden leiden, ohne dass eine körperliche Ursache gefunden werden kann, die die Beschwerden ausreichend erklärt. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang auch von „Funktionellen Körperbeschwerden“, umgangssprachlich werden zum Beispiel die Begriffe Belastungs- oder Stressbeschwerden verwendet. Der Begriff „funktionell“ deutet an, dass die Funktion von Organsystemen gestört ist, die Organe selbst aber nicht relevant geschädigt sind.

Gelegentliche körperliche Beschwerden sind normal – kein Mensch ist immer und 100 Prozent beschwerdefrei. Wann aus diesen Alltagsbeschwerden oder Befindlichkeitsstörungen eine Krankheit wird, hängt vor allem davon ab, wie sehr der oder die Betroffene unter den Beschwerden leidet und im Leben eingeschränkt ist.

Wie entstehen psychosomatische Erkrankungen?

Für die Entstehung von psychosomatischen Erkrankungen in dem oben beschriebenen Sinn spielen die psychische, gesundheitliche und soziale Situation eines Menschen eine Rolle, aber auch gesellschaftliche und kulturelle Aspekte, Persönlichkeit und Veranlagung. Es kommen also meist viele verschiedene Faktoren zusammen, die die Beschwerden verursachen, auslösen und aufrechterhalten.

Generell scheint es Menschen zu geben, die empfindlicher als andere auf körperliche Beschwerden reagieren. Diese Unterschiede sind zum Teil vererbt. Wie Menschen Beschwerden wahrnehmen, hängt aber auch von ihren Erfahrungen und Erwartungen ab. So können zum Beispiel vorausgegangenen Krankheiten oder Unfälle im eigenen Leben oder im nahen Umfeld zu besonderer Aufmerksamkeit gegenüber körperlichen Signalen führen.

In vielen Fällen kommt ein auslösendes Ereignis hinzu, zum Beispiel eine akute Erkrankung oder besondere Belastungen. Beruflicher Stress, Spannungen unter Kollegen und Kolleginnen oder Vorgesetzten, Konflikte mit dem Partner oder der Partnerin oder in der Familie, der Tod einer nahestehenden Person, finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit oder innere Konflikte aus der Kindheit können eine seelische Anspannung verursachen, die auf vielfältige Weise auf den Körper einwirkt. Psychische und körperliche Vorgänge sind eng miteinander verbunden. Das unwillkürliche (vegetative) Nervensystem wird beeinflusst und verändert zum Beispiel Herzschlag, Verdauungsvorgänge und Muskelspannung. Zudem kommt es zu Hormonausschüttungen, die den Stoffwechsel des Körpers verändern können oder das Immunsystem beeinflussen.

Die Diagnose einer psychosomatischen Erkrankung bedeutet nicht, dass die Symptome „eingebildet“ sind. Psychosomatische Beschwerden verkürzen zwar in der Regel nicht die Lebenserwartung, sie können aber sehr quälend für Betroffene sein. Bei chronischen Beschwerden ist die Lebensqualität häufig erheblich eingeschränkt. Es kommt zu privaten Konflikten, zu gesellschaftlichem Rückzug und zu Einschränkungen im Berufsleben bis hin zu einer frühzeitigen Berentung.

Funktionelle Körperbeschwerden werden häufig durch einen Teufelskreis aus Angst, Anspannung und Selbstbeobachtung aufrechterhalten. Betroffene schonen sich und vermeiden körperliche Aktivität, was wiederum dazu führt, dass die körperliche Belastbarkeit nachlässt und die Beschwerden als noch stärker empfunden werden.

Symptome einer psychosomatischen Erkrankung?

Psychosomatische Erkrankungen können fast alle Organe betreffen und sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Die typischsten Symptome sind:

  • chronische Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, zum Beispiel Kopf-, Gelenk-, Muskel- und Bauchschmerzen
  • Allgemeinsymptome wie Erschöpfung und Müdigkeit
  • Verdauungsbeschwerden, Kreislaufstörungen, Schwindel

Die Beschwerden können leicht sein und von alleine vorübergehen. In anderen Fällen sind sie für die Betroffenen quälend und halten zum Teil über Jahre an. In vielen Fällen sind die Beschwerden von starken Ängsten begleitet, an einer schweren Erkrankung zu leiden.